Schloss Rodenegg – Die Sage des Iwein auf Fresken

Im Nordosten von Brixen liegt das im 12. Jahrhundert durch den Ministerialen Friedrich I. von Rodank errichtete Südtiroler Schloss Rodenegg auf einem nach drei Seiten steil abfallenden Felsvorsprung. Das gut erhaltene Schloss, das heute noch teilweise bewohnt wird, beherbergt ein Museum mit Mobiliar aus der Spätrenaissance. Das Schloss befindet sich auf dem Gebiet der Gemeinde Rodeneck am Eingang des Pustertals, während St. Vigil, der Hauptort der Gemeinde Enneberg etwa 20 Kilometer südöstlich liegt.

Zum Schloss gehören neben der Burgkapelle Hl. Michael ein Verlies, eine Backstube, ein Waffensaal sowie ein Schlossgarten. In dem engen Verlies „Lauterfresserloch“ wurde einstmals der angebliche Hexer Matthias Perger (1587-1645) gefangen gehalten, der nach einem spektakulären Schauprozess auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.

Aufsehenerregend war die erst 1972 erfolgte Entdeckung und Freilegung eines Freskenzyklus, der in den Jahren 1200 bis 1230 geschaffen wurde und damit die früheste weltliche Wandmalerei des gesamten deutschen Sprachraums darstellt. Die Fresken stellen eine Abbildung des von Hartmann von Aue (verstorben ca. 1210 bis 1220), einem bedeutenden Vertreter der mittelhochdeutschen Klassik stammenden Iwein-Epos dar. Hartmann von Aue gilt mit seinen vier erzählerischen Hauptwerken auch als Begründer der Artus-Epik. Die Handlung des höfischen Iwein-Romans spielt am Hof des legendären Königs Artus, zu dessen Tafelrunde der Ritter Iwein gehört.

Das in Versen verfasste, vermutlich um das Jahr 1190 entstandene Iwein-Epos wurde von Hartmann von Aue aus dem altfranzösischen „Yvain ou le Chevalier au lion“ des Autors Chrétien de Troyes in das Mittelhochdeutsche übertragen, an dessen Werk sich Hartmann von Aue inhaltlich eng anlehnte. Auf das Iwein-Epos nimmt wiederum der bedeutende Epiker Wolfram von Eschenbach (ca. 1160-1220) in seinem Werk „Parzival“ Bezug.

Als Auftraggeber von Hartmann von Aue kommen bedeutende Fürstengeschlechter wie die mit den Staufern verwandten Zähringer, die seit etwa dem Jahr 1100 in Freiburg/Breisgau residierten, aber auch die schwäbischen Staufer selbst oder die fränkischen Welfen in Betracht.

 

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